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July 22, 2010

weniger ist mehr

Weisst eh,  d e r   Automat: männlich, empfindlich!, warnte mich heute ein Kollege, wie er sah, wie ich mit dem Gerät vor dem Speisesaal umging. Just an dem Tag, wo ich mir eine Stunde zuvor einen Appell von dem E. bezüglich meines gestrigen Verhaltens ihm gegenüber anhören musste. Er sage das jetzt nicht mehr für sich aber in der Zukunft sollte ich meine Männer nicht so behandeln wie ihn gestern.

Jetzt hört sich das so an, als ob ich dem Gerät oder dem E. einen echten Tritt verpasst hätte. Keineswegs. Es ist jedes Mal dasselbe: du schenkst ihnen  nicht dein ganzes Herz (den Männern, aber auch nicht dem Automaten), weil sowas einfach nicht erzwingbar ist, nichtsdestotrotz verbringst du Zeit mit ihnen -  weil sie ja nett und sympathisch und alles sind (und der Automat halt praktisch). Wertvolle Zeit,  die du dann aber bitte wieder für dich haben willst, sprich: Er soll irgendwann bitte gehen! Und was machen sie? Statt dankbar zu sein für die Aufmerksamkeit, die sie bitte für die letzten 5 (fünf!) Stunden bekommen haben, sind sie beleidigt, gekränkt und obendrein verhaltensberaterisch...

Wenn manche nicht verstehen, dass sie sich bitte wieder zurückziehen können, muss man das solange andeuten, bis sie es auch einsehen, dass es an der Zeit ist zu gehen. Manchmal müssen diese Zeichen deutlicher ausfallen (Du bist schließlich ein Fremdkörper in meinem Universum...), aber nur, weil sie dezentere Andeutungen (Es ist besser, wenn du hier nicht rauchst. Nein, bitte, auch nicht aus dem Fenster...) einfach nicht verstehen wollen. Besides, wir hatten's ja schon mal: I don't do sleepovers!

May 21, 2010

die stille post

Eine Benachrichtung in meinem Postfach sagt mir, dass er meinen schönen Silberschmuck gleich am nächsten Tag in ein Kuvert gesteckt und aufgegeben hat. Eingeschrieben. Dennoch der Absender soll unbekannt bleiben.

Die Begegnung nach Monaten hat seine Nachwirkung, und das Leben, das sich Zufälle erlaubt, wie sie in keinem Roman vorkommen dürfen, hilft ihm ebenfalls auf die Sprünge und eine Nachricht auf meinem iPhone erscherint: Falls du meinst ein Gespräch würde Sinn machen, ich wäre noch in der Nähe. Gut, sage ich. Von der ersten Minute an ist klar: der Rosenkrieg der letzten Monate hat nur mäßig auf uns abgefärbt. Das Gespräch an der Bar läuft mehr als freundschaftlich ab; zu klaren Worten folgen Berührungen, Küsse und, ja, eine heiße Nacht.

In der Früh, unten aufs Taxi wartend, merke ich, mir fehlt mein Schmuck. Soll ich raufgehen, bevor er glaubt, es ist womöglich Absicht? Soll ich's sein lassen? Er merkt es genauso schnell, und fragt nach meiner Adresse, um ihn mir nachzuschicken. Es ist somit mehr als klar, wir wollten es zu einem dritten, und letzten, Mal erleben. Zu einem allerletzten Mal...

Und, auch diesmal sollte es für mich den Verlust eines Freundes nach sich ziehen. Was ist das?

March 14, 2010

home alone

...nicht hundert, aber es sind inzwischen drei Jahre, dass ich alleine lebe. Dass ich jemals wieder mit jemandem freiwillig eine Wohnung teilen werde, das kann ich mir nicht mehr vorstellen. (Ganz im Gegenteil: "Ich fühle mich zu Hause, erst wenn ich alleine bin. Das kann auch in einem Hotelzimmer sein." Genau wie die Emine in Mungans Geschichte Judasblüten in Adanas Hitze.)

Am nächsten kam ich zu der Vorstellung, nicht mehr alleine leben zu können, vor ein paar Monaten. Mitte Dezember war es. Der Ehemann war, wie unser Verkehr aufgeflogen war, aus der Wohnung rausgeschmissen, und nachdem klar war, er musste tatsächlich für eine Weile aus dem Leben seiner Frau raus (am Anfang nahmen wir das nicht so ernst, und er versuchte ja alles, um zu Hause zu bleiben), spielte er ernsthaft mit dem Gedanken, zu mir zu ziehen. Sein Vorschlag auf mein "Du. Du hast meine Wohnung gesehen..." war, sein wichtigstes Hab und Gut bei seinem Freund in der Villa zu deponieren, und aber seine Zahnbürste und Ähnliches bei mir.

Ich schlief in dieser Nacht dieses Telefonats nicht gut, und am nächsten Morgen brauchte ich doppelt so lang der heißen Dusche. Panik überkam mich. Wie sollte ich ihm erklären, dass ich nicht einmal eine Übernachtung vertragen kann, geschweige denn... (Ich find' mich in Shanes "I don't do sleepovers..." sehr gut wieder, z.B.)

Wie sich das Blatt wenden kann... In 12 Stunden hatte er sich die Sache genauer durch den Kopf gehen lassen, meinem Rat des Alles-Überschlafens gefolgt, und hatte auch noch beim Auszug aus der Wohnung dem vorerst einmal letzten Wunsch seiner Frau "Versprich mir, du wirst sie nie wieder sehen!" eingewilligt. Wie er mich anrief, um mir das alles mitzuteilen und von uns Abschied zu nehmen, war allerdings mein einziger Wunsch jemanden in der Wohnung zu haben, und zwar einfach so. Ich hatte 10 Minuten vor seinem Anruf von dem plötzlichen Tod von O. erfahren und das Letzte was ich gerade vertragen konnte, war Alleinsein in meiner Wohnung. Vor allem wie es jetzt langsam dunkel wurde.

Half nichts. Er und ich verabschiedeten uns am Telefon. Ich legte auf, und überlegte mir, wohin ich flüchten könnte. Asyl gewährte mir schließlich L. Ich durfte die Nacht bei ihm verbringen. (Das sollte auch das erste Mal sein, wo wir nebeneinander einfach schliefen.)